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Spagyrik

 

 

"Darumb so lern alchimiam, die sonst spagyria heisst,
die lernet das falsch scheiden von dem gerechten.
Also ist das licht der natur... “

~ Philippus Theophrastus Paracelsus ~

 

 

Das Wort Spagyrik leitet sich aus dem Griechischen ab: „Spao“ (trennen, lösen) und „Ageiro“ (binden, vereinen). So sind in dem Wort Spagyrik die zwei grundlegenden Techniken der Herstellung von spagyrischen Arzneimitteln enthalten, das Trennen und das Vereinen. Die spagyrische Heilkunst hat ihre Wurzeln in der Alchemie, die ihren Ursprung in Ägypten hat.

 

Von Ägypten aus gelangte die Alchemie nach Griechenland, wo unter anderem Araber die geheime Kunst lernten und in ihren Ländern verbreiteten und pflegten. Das Wort Alchemie stammt von „al-kimiya“, die arabische Bezeichnung für „die Lehre von feuchten Dingen“ oder Stofflehre. Durch die Araber gelangte die Alchemie im 13. Jahrhundert über Spanien nach Mitteleuropa. 

 

Den meisten Menschen ist der Begriff Alchemie bekannt als eine von Magie und Aberglauben umwobene dunkle Kunst, deren Zweck die Herstellung von Gold aus unedlen Metallen war. In Wahrheit ist dieses nur ein kleiner Teil der alchemistischen Kunst gewesen. Den Alchemisten verdanken wir zum Beispiel die Erfindung des Porzellans (unabhängig von den Chinesen) und die Gewinnung des Phosphors. Alchemisten waren auch sehr an der Kunst des Heilens interessiert.

 

Im 14. Jahrhundert bekam die Alchemie endgültig ihren fortan zweifelhaften Ruf. Es gab viele Scharlatane, die mit dem Versprechen, aus unedlen Metallen edle Metalle herzustellen oder zu vervielfältigen, die Gier und die Gutgläubigkeit der Menschen ausnutzten, um sich selbst zu bereichern. In England wurde die Praxis der Alchemie sogar bei Todesstrafe verboten. Seriösen Alchemisten wurde zu dieser Zeit mit viel Misstrauen und Angst begegnet. 

 

Paracelsus (1493-1541), einer der bekanntesten Vertreter der spagyrischen Heilkünste war es, der das Wort Spagyria als Synonym für die Alchemie einführte, eben wegen des schlechten Rufes der Alchemisten und um klar zu unterscheiden, dass es sich um die Herstellung von Heilmitteln handelte. Da die Herstellung dieser spagyrischen Heilmittel sehr kompliziert und aufwändig war, wurden die spagyrischen Rezepte in den damaligen Schriften Arkana genannt. Arkana ist aus dem lateinischen Wort „arcanum“ abgeleitet und bedeutet Geheimnisse. Die Basis der modernen Spagyrik ist noch heute in den Methoden und dem Wissen von Paracelsus zu finden.

 

 

Was ist Spagyrik?

 

Einer der grundlegenden Gedanken in der Spagyrik ist ein Konzept aus der Alchemie: Es gibt eine Ursubstanz, auch „prima materia“ genannt, aus der alles Leben entstanden ist.

Diese Ursubstanz kann sich zwar in ihren Eigenschaften und Formen verändern, aber gewinnt oder verliert nie an dem ursprünglichen Umfang. Des Weiteren ist jedes existente Ding ein Ausdruck einer besonderen Lebenskraft, die für seine Manifestation in der materiellen Welt (für uns sichtbar) verantwortlich und somit in allen materiellen Dingen enthalten ist. Durch seine Form und Eigenschaften, seinem Wesen zeigt das Materielle sein Kraftpotential bzw. auch sein Heilpotential.

Das Konzept der Signaturenlehre ist aus diesem Gedankengut entstanden. Die Signaturenlehre sagt, dass Pflanzen und auch andere Materie sichtbare Merkmale besitzen, die darauf hinweisen, wofür sie eingesetzt werden können. Ein Pflanzenheilkundiger erkennt diese Merkmale und weiß „gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen".

Zum Beispiel ähnelt der gelbe Saft des Schöllkrautes der Gallenflüssigkeit, so hilft Schöllkraut bei Leber- und Gallenbeschwerden. Die Blüte der Augentrostpflanze erinnert durch ihre Zeichnung an ein Auge und hilft somit bei Augenleiden, die stark behaarte Brennessel hilft gegen Haarausfall.

 

In der ursprünglichen Spagyrik wurden pflanzliche, tierische und mineralische Materialien verwendet, heutzutage werden überwiegend pflanzliche aber auch metallische Stoffe spagyrisch zu Arzneien verarbeitet.

Bei der spagyrischen Arzneimittelherstellung geht es darum, die besondere Lebenskraft eines Stoffes in allen ihren Eigenschaften zu Heilzwecken einzusetzen. Dabei wird der Ausgangsstoff in drei verschiedene Wirkkräfte aufgeteilt, Sal, Sulfur und Merkur. Hiermit meinen die Spagyriker aber nicht die chemischen Elemente, sondern benutzen die Wörter Sal, Sulfur und Merkur, um den verschiedenen Aspekten einer Materie Ausdruck zu verleihen.

 

Das Sal oder Salz eines Stoffes ist der Teil, der nach einer Verbrennung übrig bleibt. Er repräsentiert das Erdhafte, das Materialisierende, das Formgebende und hat die Eigenschaften kalt, fest, kristallin und ist nicht destillierbar.

 

Das Sulfur repräsentiert das Wesen eines Stoffes, das Beseelende, das Bewusstmachende und hat die Eigenschaften zähflüssig, ölig, heiß und schwer destillierbar.

 

Merkur ist das Bewegende, das Belebende, das zwischen Sal und Sulfur steht und vermittelt. Merkur ist die Lebensenergie und hat die Eigenschaften flüchtig, dünnflüssig, warm bis kalt und ist leicht destillierbar.

 

Merkur repräsentiert den Geist, Sulfur die Seele und Sal den Körper. Bei einer Kerze würde das Wachs Sal darstellen, die Flamme Sulfur und der Rauch Merkur. Bei einer Pflanze wäre der mineralische Teil das Sal, die ätherischen Öle und die Düfte das Sulfur und der aus der Glukose umgewandelte Alkohol das Merkur.

 

Ziel der spagyrischen Aufbereitung ist es, diese Lebenskräfte freizusetzen, indem die Kräfte und somit das Heilpotential aus der Materie herausgelöst wird. Um das zu erreichen werden verschiedene Verfahren eingesetzt. 

 

Verarbeitungsschritte:

 

  • Gärung: Das Ausgangsmaterial wird zerkleinert und unter Zusatz von
    Hefe und Wasser vergoren.
  • Destillation: Durch eine Wasserdampfdestillation trennen sich ätherische Öle und andere duftende Stoffe (das Sulfur-Prinzip) und der Alkohol wird gebildet (das Merkur-Prinzip). So sind die Seele und der Geist der Pflanze isoliert worden und gehen in das Destillat über.
  • Veraschung: Der aus festem Material bestehende Rückstand der Destillation (Maische) wird verbrannt und verascht (Kalzination). Dieser mineralische Teil ist Träger des Sal-Prinzips, der Körper der Pflanze.
  • Vereinigung: Die Asche wird mit dem Destillat vereint und der unlösliche Teil herausfiltriert. Die entstandene Urtinktur wird meist noch unter bestimmten Bedingungen gelagert und gereift. Oft wird die Urtinktur noch nach bestimmten Vorschriften geschüttelt oder gerührt und mehrfach filtriert, bis sie dann als fertiges Heilmittel abgefüllt werden kann. 

 

Heute gibt es viele Firmen, die spagyrische Arzneimittel herstellen. Fast jede Firma hat einen eigenen Prozess entwickelt, nach dem ihre Mittel hergestellt werden. Diese Prozesse unterscheiden sich manchmal stark von den ursprünglichen Herstellungsprozessen. Einige Firmen stellen Isopräparate her, andere mischen die fertigen Urtinkturen in Komplexmittel, andere wiederum mischen die Pflanzen, die in einem Komplexmittel vorkommen sollen, bereits vor der Gärung, damit die verschiedenen Kräfte durch den gesamten Herstellungsprozess zusammengeführt werden.

 

Es gibt drei grobe Einteilungen für spagyrische Arzneimittel: Plasmolysate, Auszüge und Essenzen.

Plasmolysate sind Mittel, die keiner Destillation unterzogen worden sind. Hier wird das Ausgangsmaterial lediglich einer Gärung unterzogen, die Maische wird eventuell noch verascht und mit dem flüssigen Extrakt aus der Gärung wieder vereint.

Bei den spagyrischen Auszügen wird auf die Gärung und die Destillation verzichtet. Sie werden auch einfach Tinkturen genannt, wobei sie meistens noch mit dem Kalzinat (Rückstand aus der Veraschung) zusammengeführt werden. Bei Plasmolysaten und Auszügen muss die Urtinktur noch potenziert werden wenn es sich um eine Giftpflanze handelt, da die Wirkstoffe der Pflanzen noch stark enthalten sind.

Spagyrische Essenzen werden nach den traditionellen Methoden hergestellt: Gärung, Destillation, Veraschung und Vereinigung. Eine Potenzierung der Essenzen ist meist nicht erforderlich, da nur die wasserdampfflüchtigen Inhaltsstoffe in das Destillat übergehen und die Essenzen in der Regel recht wirkstoffarm sind.

 

 

Krankheit aus spagyrischer Sicht

 

Spagyrische Mittel unterstützen die Selbstheilung, daher ist es zur Mittelwahl wichtig nach den Ursachen zu suchen. In der Spagyrik entsteht Krankheit durch verschiedene Einflüsse, die Paracelsus in fünf Ebenen unterteilte:

 

  • Die physikalische Ebene: atmosphärische, klimatische und geographische Einflüsse
  • Die toxische Ebene: Belastungen durch Toxine
  • Die hereditäre Ebene: Vererbte Konstitution, Disposition und Erkrankungen
  • Die Psychosomatische Ebene: Familiäre, psychosoziale Einflüsse
  • Die Quintessenz: Eine übergeordnete Ebene, das Schicksal, das Karma

 

Durch die Summe dieser Einflüsse auf den verschiedenen Ebenen entsteht Krankheit. Die Krankheit entsteht meist dort, wo eine Überschneidung der Belastungen verschiedener Ebenen statt findet, denn hier entsteht ein Schwachpunkt.

 

 

Spagyrische Therapie 

 

So wie die drei Aspekte des Ausgangsmaterials Sal, Sulfur und Merkur in dem spagyrischen Mittel enthalten sind, so gilt es auch, den Patienten auf drei Ebenen bzw. ganzheitlich zu behandeln. Bei dem Patienten würde man die drei Ebenen als Körper, Geist und Seele bezeichnen. Unabhängig von der Art der Erkrankung wird der Patient in der Spagyrik stets auf diesen drei Ebenen behandelt. Meist werden hierzu spagyrische Komplexmittel eingesetzt, die entweder als fertiges Präparat zu beziehen sind oder einzeln für den Patienten gemischt werden. Ein spagyrisches Komplexmittel besteht aus Mitteln, die alle Ebenen des Patienten ansprechen und gleichzeitig eine gemeinsame Wirkrichtung haben.

 

Ziel der spagyrischen Behandlung ist eine Regeneration der Selbstheilungskräfte durch eine Regeneration physiologischer Prozesse. Hierin unterscheidet sich die Spagyrik deutlich von der Homöopathie. Homöopathische Mittel sind Informationsträger, die die Lebenskraft des Patienten benötigen, um eine Gegenreaktion hervorzubringen. Spagyrische Mittel besitzen eigene Kräfte, die die Defizite des Patienten auffüllen, Defekte reparieren können und beanspruchen somit die Lebenskraft des Patienten nicht. Deshalb eignen sich spagyrische Präparate auch für Patienten mit schwacher Lebenskraft und alte Patienten. Erstverschlimmerungen treten praktisch nie auf mit Ausnahme von Entgiftungsreaktionen. 

 

Auch bei Tieren sind spagyrische Mittel sehr wirksam, gerade im Bereich der chronischen Erkrankungen. Verschiedene Firmen stellen Komplexmittel her zur Behandlung von z.B. Arthrose, Verdauungsstörungen, Allergien, Wurmbefall usw. Wichtig wäre es einen Therapeuten zu finden, der in der Anwendung spagyrischer Mittel geschult ist, um einen möglichst erfolgreichen Therapieverlauf zu gewährleisten. Es gibt immer wieder Fälle in denen die Homöopathie keinen Erfolg bringt, vielleicht weil die Lebenskraft des Patienten bereits zu schwach ist. Hier ist die Spagyrik eine gute Alternative im Rahmen einer ganzheitlichen Behandlung.

 

 

Bezugsquellen:
Spagyrische Mittel können Sie über Apotheken beziehen, sinnvoller wäre es aber, den Patienten erst einem Therapeuten vorzustellen der die spagyrische Heilkunst beherrscht.
Folgende Firmen stellen Spagyrika her: Soluna, Spagyros, Staufenpharma, Phönix, ISO, IFAS, Lemasor

 

 

Literatur:
Löwe und Phönix - Daniel Hornfisher, ISBN: 3-591-08432-8
Spagyrisch Heilen - Herta Richter & Michael Schünemann, ISBN: 3-929338-26-2
Spagyrik Lehr- und Arbeitsbuch - Hans-Josef Fritschi, ISBN: 3-437-55230-9
Mysterium der Heilkunde - Dr. med. Martin Furlenmeier, ISBN: 3-85717-007-4
Paracelsusmedizin - AT Verlag, ISBN: 3-85502-692-0

 

 

 

 

 

© Swanie Simon 2008 - 2013

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