Sie sind hier: Photogalerien » Pai's Geschichte
 

drei hunde nacht


 

Payakootha – ein Rumänischer Hund geht seinen Weg

 

 Als ich Payakootha zum ersten Mal im Februar 2005 im Tierheim von Bruno Pet in Suceava, Rumänien sah, war mein spontaner Gedanke „Dieser Hund lebt nicht mehr lange“. Es war ein erbärmlicher Anblick, dieser kleine, alte geschundener Hund, von Räude geplagt, übersät mit Bisswunden, ängstlich und verkrüppelt. Sein Vorderlauf war krumm, vermutlich durch einen schlecht verheilten Bruch, er lief vor allen Menschen weg und verkroch sich in den Hütten. In diesem Februar waren es -20° bei unserem Besuch und für mich unvorstellbar, dass ein Hund in Payakoothas Zustand überleben konnte.

 

 

Doch Payakootha überlebte. Das Tierheim in Suceava bekam Unterstützung aus Deutschland und konnte alle Hunde medizinisch versorgen, kastrieren, impfen und vernünftig füttern. Pai bekam Paten, die Familie Englisch, die ihn Payakootha tauften. Payakootha ist ein Shawnee Name, der fliegende Wolke bedeutet.


Er blieb weiterhin eines der Sorgenkinder bei Bruno Pet. Er war nicht vermittelbar, da alt, krank und wegen seiner panischen Angst vor Menschen. Es war zu dieser Zeit sinnvoller junge Hunde nach Deutschland zu vermitteln, da sie noch eine Chance auf ein normales Leben hatten. Payakootha überlebte weiter.

 

Es fuhren immer wieder Mitglieder und Helfer des Vereins „Freundeskreis Bruno Pet e. V.“ nach Suceava um vor Ort zu helfen und Hunde nach Deutschland zu bringen. Payakootha wurde manchmal gar nicht gesehen, da er sich immer verkrochen hat.

 

Katharina Jakob schrieb nach einem Bericht über ihren Besuch in Suceava im August 2005 über Payakootha:


„Wir finden Payakootha. Es geht ihm nicht gut. Seine rechte Vorderpfote ist verkrüppelt, er bellt und verkriecht sich sofort in seiner Hütte, wenn wir kommen. Die anderen Hunde scheinen ihn zu mobben. Wir sagen Mihai Bescheid. Es gelingt ihm, Payacootha aus seiner Hütte zu holen und zum Untersuchungstisch zu tragen.


Payakootha ist alt, auf jeden Fall über zehn, Mihai schätzt ihn sogar auf zwölf Jahre. Sein Fell geht in Flocken aus. Er braucht dringend Ruhe. Wir finden eine eigene Hütte für ihn, stellen sie auf dem Vorplatz etwas abseits auf und legen eine Decke hinein. Er soll auf dem Vorhof bleiben, wir hoffen, dass es mit den anderen Hunden gut geht.


Am nächsten Tag sehen wir, dass er schon ganz entspannt in seiner Hütte sitzt mit dem Blick nach draußen. Mihai sagt, er kann hier draußen bleiben, es scheint ihm da besser zu gehen.“

 

Über Payakootha wurde immer wieder mal berichtet aber ein passendes Zuhause gab es für ihn nicht. Anfang 2007 mußte das Tierheim in Suceava schliessen und es wurde entschieden alle noch dort lebenden Hunde nach Deutschland zu transportieren. Einige der Hunde, wie z. B. Payakootha galten als unvermittelbar wegen ihrem Allgemeinzustand und ihrer extreme Angst vor Menschen.

 

Ich bekam im Forum von Bruno Pet e. V.  mit, dass es noch keinen Platz für Payakootha und einige andere „schwierige“ Hunde gab. Payakootha hatte ich nie vergessen und ich war erstaunt, dass er überhaupt noch lebte, also sagte ich kurzerhand zu, dass er und noch ein weiterer unvermittelbarer Hund zu uns am Hof kommen könnten, und zwar für immer. Auf meinem Hof habe ich die Möglichkeit solche Hunde gut zu halten. Sie können sich hier ihre Distanz zum Menschen selbst aussuchen und leben wie sie es bisher gewohnt sind, nämlich Draussen. Natürlich sind sie auch im Haus willkommen, aber für solche traumatisierte Hunde ist es oft mit viel Panik verknüpft, in ein Gebäude eingesperrt zu sein. So kam Payakootha mit Talib I, Talib II und Rashid zum Hof Drei Hunde Nacht. Zwei der Hunde sollten ins Dillinger Tierheim, aber ich schaffte es nur einen dort hinzubringen. Talib II wurde in Theo umgetauft und lebt heute mit Talib auf meinem Hof. 

 

Payakootha kam erstmal in meiner Küche, um sich in Ruhe an das Haus zu gewöhnen. Er gewöhnte sich aber nicht dran, es beängstigte ihn nur. Draussen fühlte er sich deutlich wohler und grub sich im Stall eine Höhle im Heu. Man sah ihn nur vom weitem, kaum sah er ein Mensch, verschwand er in seiner Höhle. Ewald, unser Tierpfleger und „Hundeflüsterer“ nahm sich Payakootha an. Wir nannten ihn Pai, da sein Name so lang ist. Pai wurde von unserer Tierärztin untersucht, der Verderlauf war in der Tat ein schlecht verheilter Bruch und am Hinterlauf hatte er einen verschleppten Bänderriß. Außerdem war er fast komplett taub. Leider gibt es keine Möglichkeit diese Verletzungen zu heilen. Sie schätzte sein Alter als höchstens 6 Jahre ein – Ewald kommentierte „Den hat aber einer alt geprügelt! Wenn ich den in die Finger kriege …“ und schwor gleichzeitig „Den kriegen wir hin!“.

 

 

Und das tat er, unser Ewald. Pai blühte immer mehr auf, besuchte mich sogar ab und zu in meiner Wohnung. Ewald wurde sein Kumpel und Menschen wurden interessant für Pai. Im Herbst 2007 packte Pai seine Tasche und zog endgültig in meiner Wohnung ein, wo er die Wärme, die Streicheleinheiten und die Zuwendung sehr genossen hat. Zu Weihnachten hat er seine kleine Welt um einen Raum erweitert: die Küche. Genau die Küche, die in ihm eine so große Panik vor 8 Monaten ausgelöst hatte. Somit schloß sich ein Kreis und der kleine Pai, der so viele Menschenherzen bewegt hat, ging weiter seinen Weg …

 


Nachtrag

 

Pai wurde in 2008 immer zutraulicher, ging sogar auf fremde Menschen zu um Streicheleinheiten einzufordern. Eines der schönsten Momente meines Lebens war am Gesundehunde Treff am 05. Juli 2008, wo Pai inmitten der ganzen Menschen und Hunde frei herumlief und sich alles ganz interessiert anschaute. Ein Jahr zuvor hatte er sich noch beim Amblick von Fremden hinter die Heuballen verkrochen. Pais Entwicklung war einfach erstaunlich und er schenkte uns allen viel Freude in seiner kurzen Zeit bei uns am Hof.

 

 

Pai  verstarb am 12.07.2008 und geht jetzt seinen Weg ohne uns weiter. An Pai war so viel kaputt und gebrochen, wir konnten leider nur seine Seele ein bißchen heilen und sein Allgemeinbefinden verbessern. Der Krebs, der letzendlich zu seinem Tod führte, verschlimmerte sich plötzlich so drastisch, dass wir ihn erlösen mussten. Wir sind noch etwas geschockt, dass Pai einfach nicht mehr hier ist. Wir werden ihn sehr vermissen, diesen kleinen, mutigen, krummen Burschen, der so viele Menschen durch seine Geschichte berührte.

 

Heute denke ich, dass sein Auftritt am GesundeHunde Treff ein Woche zuvor ein Abschiedsgeschenk von ihm war. Ich war so stolz auf Pai in diesem Moment  - ein Moment den ich nie vergessen werde. Danke dafür lieber Pai.

 

Pai's Photogalerie >>